Während klassisches Kryptojacking Cloud-Ressourcen meist schleichend anzapft, schlägt das sogenannte „LLM-Jacking“ unmittelbar mit massiven Kosten ein. Wie ein Bericht von Mandiant und der Google Threat Intelligence Group (GTIG) zeigt, kapern Kriminelle zunehmend produktive Modellzugänge von Unternehmen. Statt Systeme nur unbemerkt zu verlangsamen, nutzen Angreifer die fremden Kontingente für eigene Kampagnen oder verhökern die Tokens auf Untergrundplattformen. In der Praxis führt das zu extremen Kostenexplosionen: In einem analysierten Fall liefen an einem einzigen Tag über 100.000 Dollar an Gebühren auf, bis der unbefugte Zugriff nach einem Gesamtschaden von rund einer Million Dollar endlich gekappt wurde.
Als Einfallstor dienen überwiegend Session-Hijacking oder schlichte Nachlässigkeiten wie im Klartext in öffentlichen GitHub-Repositories hinterlegte Anmeldedaten. Die Beute speisen die Täter häufig in illegale Proxy-Gateways („LLM-Mixer“) ein. Dort wird der fremde Zugang mit extremen Rabatten weiterverkauft: Ein Token-Routing-Dienst verlangte von seinen Kunden beispielsweise pauschal 60 Dollar monatlich für unbegrenzten Zugriff, während die tatsächlichen Modellkosten von knapp einer Million Dollar vollständig beim bestohlenen Unternehmen landeten.
Um Schutzmechanismen wie API-Ratenbegrenzungen der Provider auszuhebeln, arbeiten Angreifer mit ausgefeilten Umgehungsstrategien. In einem dokumentierten Fall wurden binnen acht Stunden mehr als 500.000 LLM-API-Aufrufe durchgejagt. Der Täter setzte auf ein „Burn-and-Rotate“-Verfahren, bei dem fortlaufend kurzlebige Servicekonten erstellt, genutzt und wieder gelöscht wurden. Gleichzeitig beobachtete er gezielt die Abrechnungs-Schnittstelle des Cloud-Anbieters, um die finanzielle Hebelwirkung in Echtzeit zu kontrollieren.
Die Sicherheitsanalysten betonen, dass gestohlene Modellkapazitäten Cyberkriminellen billige, hochgradig skalierbare Angriffe mit KI-Agenten ermöglichen. Für Unternehmen reicht eine einfache Budgetgrenze daher nicht aus. Erforderlich sind:
- Striktes Credential-Management: Automatisierte Scanner, die Code-Repositories lückenlos nach versehentlich veröffentlichten Schlüsseln durchsuchen, gepaart mit erzwungener Multi-Faktor-Authentifizierung.
- Minimalprinzip bei Rechten: Granular begrenzte Berechtigungen für API-Keys statt universeller Vollzugriffe.
- Transparenz & Hunting: Aufdecken nicht autorisierter „Schatten-LLMs“ in den eigenen Abteilungen sowie aktive Threat-Hunting-Regeln, die sprunghafte Anstiege bei API-Calls und verdächtige Rotationen von Servicekonten sofort blockieren.

