Bildungssektor als Hauptziel
Besonders dramatisch stellt sich die Situation für Bildungseinrichtungen dar. Mit wöchentlich 2.885 Angriffen wird dieser Sektor 235 Prozent häufiger attackiert als der deutsche Durchschnitt. Kriminelle nutzen hier gezielt veraltete Infrastrukturen und knappe Sicherheitsressourcen aus, um an wertvolle Nutzerdaten zu gelangen. Auch die Energieversorgung und die Telekommunikation stehen mit rund 2.000 Angriffen pro Woche unter extremem Druck.
Der „KI-Faktor“ in der Kriminalität
Die größte Veränderung im Vergleich zu den Vorjahren ist der massive Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Angreifer nutzen KI nicht mehr nur zur Vorbereitung, sondern zunehmend für autonome Operationen.
- Automatisierung: Hacker agieren schneller und skalierbarer über verschiedene Kanäle hinweg (E-Mail, Web, Telefon).
- Social Engineering 2.0: Sogenannte „ClickFix“-Methoden stiegen um 500 Prozent an. Dabei werden Nutzer durch täuschend echte KI-Imitationen zur Preisgabe von Daten bewegt.
- Ransomware-Evolution: Erpressergruppen dezentralisieren sich und nutzen KI für präzisere Opferauswahl und Verhandlungen, was zu 53 Prozent mehr Opfern führte.
Neue Einfallstore: Edge und Schatten-KI
Ein wachsendes Risiko stellen schlecht gesicherte Edge-Geräte (wie VPN-Appliances und IoT-Systeme) dar, die als getarnte Relais-Punkte im Netzwerk dienen. Zudem birgt die interne Nutzung von KI-Tools Gefahren: 89 Prozent der Unternehmen waren mit riskanten KI-Anfragen konfrontiert. Wenn Mitarbeiter KI-Tools „heimlich“ nutzen, entstehen unkontrollierbare Sicherheitslücken.
Strategische Empfehlungen: Prevention First
Check Point betont, dass klassische Reaktionsstrategien nicht mehr ausreichen. Unternehmen müssen auf einen präventiven Ansatz umstellen:
- KI-Sicherheitsstrategie: KI-Nutzung sollte nicht verboten, sondern durch klare Kontrollen transparent gemacht werden.
- Ganzheitlicher Schutz: Sicherheitskonzepte müssen den gesamten digitalen Arbeitsplatz (Browser, SaaS, Cloud) abdecken, da sich Angriffe über alle Kanäle verteilen.
- Infrastruktur-Hygiene: Eine lückenlose Inventarisierung und Absicherung von Edge- und IoT-Geräten ist essenziell, um versteckte Hintertüren zu schließen.
- Geschwindigkeit: Da Angriffe nun mit „Maschinengeschwindigkeit“ ablaufen, muss die Abwehr Bedrohungen stoppen, bevor diese sich im Netzwerk ausbreiten können.
Fazit: Die Ära der KI-gesteuerten Cyberkriminalität erfordert eine radikale Neuausrichtung der Verteidigungsstrategien. Nur wer Prävention priorisiert und seine gesamte digitale Infrastruktur zentral überwacht, kann der neuen Intensität der Angriffe standhalten.

