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Unaufgeräumte IT-Probleme

Office-Makros, Webcams mit Polizeianschluss, Schatten-Digitalisierung und Datenreichtum gehören zu den Sicherheitsalbträumen der Hacker

Erpressungstrojaner wie Emotet und GandCrab legen Ämter, Gerichte, Krankenhäuser, Universitäten und ganze Gemeinden lahm. Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computers Clubs (CCC), hatte dafür auf dem 36. Chaos Communication Congress (36C3) in Leipzig eine Erklärung parat: "Der Schuldenberg an unaufgeräumten technologischen Problemen kommt zurück."

Für erfolgreiche Angriffe genügen manchmal schon einfache Phishing-Mails. Einzelne Lösegeldzahlungen bis zu 600.000 US-Dollar durch Kommunalbehörden in Florida sind dokumentiert. Rieger schätzt aber, dass große Konzerne schon mehr gezahlt haben. Wenn die Produktion stillstehe, könne die Geschäftsführung eines Betriebs durchaus "ins Rechnen kommen" und das Lösegeld zahlen.

Sicherheitsrisiken als Motivation

Die Zunahme der Sicherheitsrisiken steigere aber zumindest bei vielen die Motivation, sich um IT-Sicherheit zu kümmern. Dies könne, laut Rieger, positive Auswirkungen in der Gesamtheit haben. Erschreckend sei andererseits, dass sich nun beim bereits 20. Blick des CCC in die Glaskugel die Jahre 1999 bis 2019 in einem einzigen Bild zusammenfassen ließen, ergänzte Riegers Sparringpartner Ron Hendrik Fulda. Er bezog sich dabei auf das "Makro-Problem" in Microsoft Office. Hier habe es keinen wirklichen Fortschritt gegeben. Riegerappellierte an Microsoft, Makros "zum Wohle der Menschheit" komplett auszuschalten.

Überwachung allerorten

Auch Google StreetView hatten die Sicherheitsexperten als drohendes Desaster bereits 1999 auf ihrer Liste. Dafür hätten Luftbilder mittlerweile "zehn Zentimeter Auflösung", sodass man fast Nummernschilder lesen könne, warf Rieger in dem mit viel Hackerironie gewürzten Brainstorming ein.

Als weiteren Dauerbrenner führen die Experten seit zwei Jahrzehnten auch intelligente Stromzähler als Bereich an, der sie schlecht schlafen lässt. Nun sollen Smart Meter 2020 tatsächlich im großen Stil in Haushalte einziehen. Dies dürfte zu einer größeren Debatte "Umwelt- vs. Datenschutz" führen, prognostizierte Rieger.

Drohende Datenschutz-Debakel

Für 2020 erwarten die Hacker neben einer verschärften Hintertür-Diskussion bei Verschlüsselung auch weitere große Debakel rund um die Privatsphäre. "Die Digitalisierungsstrategie von heute ist der Datenreichtum von morgen", betonte Rieger. Schon 2019 seien bei immer mehr Firmen Mengen an Bits und Bytes rausgetragen oder auf rasch zusammengeklickten Cloud-Speichern vergessen worden. Fulda warnte vor einer verstärkten "Schatten-Digitalisierung". Dies habe schon mit der Digitalfotografie angefangen, wo eine Festplatte unbedacht ans Netz geschlossen worden sei und sich plötzlich mit der Cloud synchronisiert habe.

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