Mobile Security

iOS-Virtualisierung: US-Gericht sieht keine Verletzung von Apple-Copyright

Corelliums Virtualisierung von iOS ermöglicht es, Schwachstellen aufzuspüren – Apple klagte dagegen. Es handele sich um "Fair Use", entschied nun ein Richter.

Schwere Schlappe für Apple im Rechtsstreit gegen die Sicherheitsfirma Corellium: Ein US-Gericht sieht die Virtualisierung von iOS durch Corellium als "Fair Use" – und nicht als die von dem iPhone-Konzern angeführte Copyright-Verletzung.

Die Verwendung des Betriebssystems durch das für Sicherheitsforscher gedachte Virtualisierungs-Tool sei "transformativ" und nicht nur eine "umverpackte Version" von iOS in einer virtuellen Maschine, heißt es in der Begründung des Richters (Apple vs. Corellium, Aktenzeichen 9:19-cv-81160, United States District Court – Southern District of Florida).

Möglicher DMCA-Verstoß bleibt ungeklärt

Corellium erlaube seinen Nutzern durch eigenen Code beispielsweise, den Kernel zu modifizieren, Prozesse einzusehen sowie zu stoppen und Live-Snapshots anzufertigen, wie der Richter ausführt – diese "signifikanten Funktionen" seien auf Apple-Hardware mit iOS nicht verfügbar.

Das Gericht wies ebenso Apples Vorwurf zurück, Corellium handele in "böser Absicht", weil die mit dem Produkt gefundenen Schwachstellen nicht zwingend an Apple gemeldet werden müssten. Die Position des iPhone-Herstellers sei "rätselhaft, wenn nicht unaufrichtig", heißt es in der Urteilsbegründung – schließlich sei das auch im Rahmen von Apples Bug-Bounty-Programm keine Vorgabe.

Offen ließ das Gericht, ob es sich bei Corelliums iOS-Virtualisierung um eine Verletzung des DRM-Umgehungsverbots unter dem Digital Millenium Copyright Act (DMCA) handelt. Hier gebe es "echte Probleme mit wesentlichen Fakten", so der Richter, beispielsweise hinsichtlich der Frage, welche technischen Schutzmaßnahmen Apple bei der Bereitstellung von IPSW-Dateien, über die sich iOS installieren lässt, vornimmt. Ob Apple weiter gegen Corellium vorgehen will, bleibt vorerst noch offen.

Scharfe Kritik an Apple-Klage

Apple hat Corellium 2019 verklagt, es handele sich dabei um eine "klare Copyright-Verletzung", so der Konzern. Gerichtsdokumenten zufolge hatte Apple im Vorfeld versucht, die Firma zu kaufen, Gespräche seien aber gescheitert. Die Klage hatte unter Sicherheitsforschern und Hackern für Verunsicherung und Unmut gesorgt. Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation kritisierte Apples Vorgehen scharf, es sei ein gefährlicher Versuch das DRM-Umgehungsverbot auszuweiten.

 

Quelle: heise Online Redaktion

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