Verschlüsselung & Datensicherheit

Spyware: Ausverkauf bei NSO Group – das Ende von Pegasus?

Die Eigner der NSO Group verhandeln offenbar mit möglichen Investoren auch über einen Verkauf – und das Aus für den Überwachungstrojaner Pegasus

Foto: Uriel Sc / Unsplash

Der israelische Softwarehersteller denkt Medienberichten zufolge über einen Verkauf nach und spricht offenbar mit möglichen Investoren. Dabei stehe auch eine Neuaufstellung des Unternehmens und die Aufgabe der umstrittenen Spyware Pegasus zur Debatte, berichtet Bloomberg News unter Berufung auf Verhandlungskreise. Hintergrund dürfte auch die angespannte finanzielle Situation des Unternehmens sein.

Die NSO Group verhandelt dem Bericht zufolge mit Investmentfonds über eine Refinanzierung, aber auch ein Verkauf und eine Restrukturierung stehen im Raum. Dabei könnte die Entwicklung von Pegasus eingestellt und NSO auf Cyberabwehrsysteme und Drohnentechnologie ausgerichtet werden. Das Unternehmen und die beteiligten Finanzhäuser wollten die Berichte nicht kommentieren.

Die NSO Group liefert Überwachungssoftware für Regierungen und staatliche Behörden. Anwendungen wie Pegasus nutzen Sicherheitslücken in Software aus, um die Geräte der Zielpersonen mit Trojanern zu infizieren. Pegasus war im Sommer weltweit in die Schlagzeilen geraten, nachdem bekannt wurde, dass Staats- und Regierungschefs sowie mindestens 180 Journalisten, Menschenrechtsverteidiger, Gewerkschafter und Diplomaten mit Pegasus ausspioniert wurden.

Dem Unternehmen wird vorgeworfen, die Software an autoritäre Regierungen zu verkaufen, die damit Oppositionelle und Journalisten ausspionieren. Die NSO Group weist diese Vorwürfe regelmäßig zurück. Medienberichten zufolge gehört auch die Bundesregierung zu den Kunden der NSO Group. Auch das BKA soll Pegasus eingekauft haben.

Die weltweite Aufregung über Pegasus ist nicht folgenlos geblieben. Die US-Regierung hat die NSO Group mit Sanktionen belegt. Israel hat die Liste der Länder, in die Cybertechnologie exportiert werden darf, drastisch beschnitten. In den USA haben Facebook und Apple die NSO Group verklagt.

Das dürfte Auswirkungen auf die Geschäfte der NSO-Group haben: Pegasus ist der größte Geschäftsbereich des Unternehmens und steht laut Bloomberg für etwa die Hälfte des Umsatzes, der für dieses Jahr mit rund 230 Millionen US-Dollar erwartet wird. Berichten zufolge läuft die NSO Group in Gefahr, ihre Schulden nicht mehr bedienen zu können.

Die Mitgründer Shalev Hulio und Omri Lavie hatten die Mehrheitsanteile an der Firma 2019 vom Investor Francisco Partners zurückgekauft. Die NSO Group wurde dabei mit rund einer Milliarde US-Dollar bewertet. Zur Finanzierung hatten die Gründer Schulden in Höhe von mehreren hundert Millionen US-Dollar aufgenommen.

Quelle: heise online Redaktion

Zurück

Diesen Beitrag teilen
Weitere Meldungen zum Thema
oben