Mobile Security, Verschlüsselung & Datensicherheit

Sensible Daten gibt es im Darknet zu Dumpingpreisen

Ausweisdaten für 50 US-Cent, Kreditkarteninformationen ab 6 US-Dollar zu haben – Das Darknet im Wühltisch-Wahn

Foto: Mohamed Hassan / Pixabay

Das reale Leben und die Online-Welt sind inzwischen nahezu komplett miteinander verschmolzen. Handlungen, die wir online tätigen, und die Preisgabe privater Daten haben infolgedessen auch Auswirkungen auf die physische Realität und können im schlimmsten Fall gegen den Anwender verwendet werden. Die IT-Sicherheitsexperten von Kaspersky haben zwei Hauptkonsequenzen des freiwilligen und unfreiwilligen Teilens persönlicher Daten in der Öffentlichkeit untersucht:

Doxing, also die öffentliche Deanonymisierung einer Person online, und den Verkauf persönlicher Daten im Darknet. Die Analyse zeigt: Der Zugang zu sensiblen Daten kostet weniger als man denken könnte. So sind Ausweisdaten bereits für den Preis einer Tasse Kaffee einfach zu kaufen.

Während das Bewusstsein für Fragen des Datenschutzes generell zunimmt, haben die meisten noch immer lediglich ein sehr allgemeines Verständnis dafür, warum dieser so wichtig ist. Mehr als ein Drittel der Millenials sind der Meinung, sie seien zu langweilig und uninteressant, um Opfer von Cyberkriminalität zu werden. Das entspricht aber nicht der Realität. Doxing etwa, das in gewisser Weise als eine Methode des Cybermobbings verstanden wird, kann jeden Anwender betreffen, der sich online äußert oder den subjektiven Standards anderer User nicht entspricht.

Wann passiert beim Doxing?

Doxing tritt dann in Erscheinung, wenn jemand private Informationen über eine andere Person ohne deren Zustimmung weitergibt, zumeist mit dem Ziel, diese in Verlegenheit zu bringen, zu verletzen oder anderweitig zu gefährden. Nutzer erwarten normalerweise nicht, dass ihre persönlichen Informationen ohne ihr Zutun an die Öffentlichkeit gelangen; auch ahnen sie nicht, welchen Schaden eine Doxing-Attacke anrichten könnte. Doch wie die Praxis zeigt: Bei besonders entschlossenen Tätern oder böswilligen Nutzern kann Doxing sogar so weit gehen, dass sie sich in die Konten der Zielperson hacken - ein Dienst, der heutzutage auf den Darknets angeboten wird.

Sensible Daten im Darknet zu Dumpingpreisen

Um besser zu verstehen, wie persönlichen Daten der Nutzer in den falschen Händen verwendet werden können, wurden Angebote in zehn internationalen Darknet-Foren und auf entsprechenden Marktplätzen analysiert. Die Untersuchung zeigt, dass der Zugriff auf personenbezogene Daten je nach Tiefe und Breite der angebotenen Informationen bereits ab 50 Cent (US-Dollar) für einen Ausweis erfolgen kann. Einige personenbezogene Daten – in der Hauptsache Kreditkartendaten, Bank- und E-Payment-Zugangsinformationen – sind nach wie vor gefragt und die jeweiligen Preise sind in den letzten Jahren unverändert geblieben.

Krankenakten sind für 1 bis 30 US-Dollar, Führerschein-Scans für 5 bis 25 US-Dollar, Reisepass-Scans für 6 bis 15 US-Dollar und Kreditkartendaten für 6 bis 20 US-Dollar zu haben. Der Zugriff auf Social-Media-Kanäle wie Facebook oder Twitter kostet hingegen 500 US-Dollar, auf Instagram 450 US-Dollar und das Hacken von E-Mailkonten 500 bis 800 US-Dollar.

Identitätsdiebstahl, Erpressung, Rufschädigung sind reale Gefahren

Allerdings sind auch neue Datentypen in den Fokus gerückt. Dazu gehören persönliche Krankenakten und Selfies mit persönlichen Ausweisdokumenten, die bis zu 40 US-Dollar kosten. Die wachsende Zahl von Fotos mit hinterlegten persönlichen Informationen und Muster durch die sie Verwendung finden, spiegelt ebenfalls einen Trend im Spiel der Cybergüter wider: Der Missbrauch dieser Daten kann ganz erhebliche Konsequenzen haben, schlimmstenfalls den Diebstahl der eigenen Identität.

Persönliche Informationen, die auf dem Schwarzmarkt verkauft werden, können zudem für Erpressung, die Durchführung von Betrugs- und Phishing-Programmen und den direkten Diebstahl von Geld verwendet werden. Zugänge zu persönlichen Konten oder Passwortdatenbanken, können nicht nur zum finanziellen Gewinn, sondern auch zur Rufschädigung und anderen Arten sozialer Schäden, einschließlich Doxing, missbraucht werden.

Die Schattenseite der Digitalisierung

„In den vergangenen Jahren sind viele Bereiche unseres Lebens digitalisiert worden. Einige davon, wie zum Beispiel unsere Gesundheit, sind besonders privat“, kommentiert Dmitry Galov, Sicherheitsforscher bei Kasperskys GReAT. „Die zunehmende Anzahl von Leaks setzt Nutzer einem erheblichen Risiko aus. Es gibt aber auch positive Entwicklungen – viele Organisationen unternehmen zusätzliche Schritte, um die Daten ihrer Nutzer zu sichern. Social-Media-Plattformen haben in dieser Hinsicht besonders große Fortschritte gemacht, da es jetzt viel schwieriger ist, das Konto eines bestimmten Benutzers zu stehlen. Dennoch glaube ich, dass unsere Forschung unterstreicht, wie wichtig es ist, sich bewusst darüber zu sein, dass die eigenen Daten tatsächlich gefragt sind und für böswillige Zwecke verwendet werden können. Auch wenn der Anwender nicht über besonders viel Geld verfügt, keine kontroversen Meinungen vertritt und im Allgemeinen online nicht sehr aktiv sind.“

Tipps zum Schutz persönlicher Daten vor Diebstahl

  • Auf Phishing-E-Mails und Websites achten.
  • Berechtigungseinstellungen verwendeter Anwendungen regelmäßig überprüfen, um die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, dass persönliche Daten von Dritten - und darüber hinaus - ohne eigenes Wissen weitergegeben oder gespeichert werden.
  • Verwendung einer Zwei-Faktor-Authentifizierung. Anwendungen, die Einmal-Codes generieren sind sicherer als der Empfang des zweiten Faktors per SMS. Für zusätzliche Sicherheit kann ein Hardware-2FA-Schlüssel genutzt werden.
  • Einsatz einer zuverlässigen Sicherheitslösung, um eindeutige Kennwörter für jedes Konto zu generieren und zu sichern. Es sollte vermieden werden, dasselbe Kennwort immer wieder zu verwenden.
  • Nutzung eines Tools um herauszufinden, ob Passwörter eigener Online-Konten kompromittiert wurden. Die Kontoüberprüfungsfunktion ermöglicht es Nutzern, ihre Konten auf mögliche Datenlecks zu überprüfen. Wenn ein Leck entdeckt wird, stellt beispielsweise Kaspersky Security Cloud Informationen über die Datenkategorien zur Verfügung, die öffentlich zugänglich sein können, so dass die betroffene Person entsprechende Maßnahmen ergreifen kann.
  • Stets darüber nachdenken, inwieweit freigegebene Inhalte von anderen interpretiert oder verwendet werden könnten.

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