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Suex OTC: US-Regierung erlässt erste Sanktionen gegen Kryptogeld-Börse

Die Biden-Regierung geht zum ersten Mal gegen einen Kryptogeld-Markplatz vor. Das soll den Abfluss von Ransomware-Zahlungen nach Russland eindämmen.

Nach der ersten Ankündigung von Sanktionen gegen Kryptogeld-Zahlungen in Zusammenhang mit Ransomware-Angriffen macht die US-Regierung jetzt Ernst. Das Finanzministerium der Vereinigten Staaten (US Treasury Department) hat nun die ersten Sanktionen gegen den russischen Kryptogeld-Marktplatz Suex OTC verhängt, da dieser mit Ransomware-Gruppen direkt zusammenarbeite. Das geht aus einer Ankündigung des Treasury Department hervor.

US-Bürgern und Personen, die der US-Gerichtsbarkeit unterliegen, ist es nun strikt untersagt, den Kryptogeld-Marktplatz zu nutzen. Außerdem dürfen sie keine Beteiligungen an Firmen halten oder Investitionen in Firmen tätigen, die den Marktplatz betreiben. Sämtlicher Besitz dieser Firmen in den USA wurde eingezogen. Das alles trifft auch auf Firmen zu, die zu mehr als 50 Prozent Personen gehören, die mit Suex federführend in Verbindung stehen.

160 Millionen Dollar Beute

Das US-Finanzministerium sagt in seiner Mitteilung, dass mehr als 40 Prozent der Transaktionen, die über Suex laufen, illegaler Natur sein sollen. Insgesamt sollen die illegalen Profite von mindestens acht verschiedenen Ransomware-Varianten durch den Marktplatz geflossen sein. Das mache Suex "unabdingbar als Teil der Profitabilität von Ransomware-Attacken", so das Treasury Department. Die Sanktionen seien zusammen mit der Bundespolizei FBI vorbereitet worden.

Untersuchungen der Blockchain-Analysten von Chainalysis zufolge, ist die Firma, die Suex betreibt, in der Tschechischen Republik eingetragen, hat dort allerdings außer einer Postadresse keinen Firmensitz. Suex hat stattdessen wohl aber Büros in Moskau sowie St. Petersburg und Niederlassungen in Russland und in mehreren Ländern im Nahen Osten. Die Firma soll von russischen Staatsbürgern kontrolliert werden und ist wohl deshalb besonders beliebt bei Ransomware-Gangs, weil sie Kryptowährungen in Cash tauscht und es ermöglicht, das Bargeld in einer der Niederlassungen direkt in Empfang zu nehmen. Suex soll insgesamt mehr als 160 Millionen US-Dollar in diversen Kryptowährungen von bekannten Ransomware-Gruppen erhalten haben. Chainalysis war nach eigenen Angaben an der Untersuchung von Treasury Department und FBI maßgeblich beteiligt.

Eine neue Offensiv-Politik der US-Behörden

Mit den Sanktionen gegen Suex greift die US-Regierung zum ersten Mal gegen Krypto-Tauschbörsen durch. Ziel der US-Regierung ist es, den Ransomware-Gruppen, die in den vergangenen Jahren signifikante Schäden in der Wirtschaft westlicher Industrienationen hervorgerufen haben, den Geldhahn abzudrehen. Da Staaten nicht direkt gegen die virtuellen Geldflüsse der Kryptowährungen selbst vorgehen können, was schließlich ein erklärtes Ziel bei der Entwicklung des verteilten Buchhaltungssystems der Bitcoin-Währung war, versucht man nun, die neuralgischen Punkte lahmzulegen, an denen das virtuelle Geld in echte Scheine umgetauscht wird. Zwar ist seit Jahren bekannt, dass organisierte Kriminelle hinter Ransomware und ähnlichen digitalen Verbrechen einen großen Teil ihres Einkommens nicht umtauschen und andere Kriminelle direkt mit Kryptogeld für weitere illegale Dienstleistungen oder Güter bezahlen, früher oder später wollen aber auch die hartgesottensten Kriminellen Cash in der Hand haben. Und genau da setzt die Strategie der US-Regierung an.

Laut Treasury Department sollen allein im vergangenen Jahr Ransomware-Gruppen in den USA insgesamt 400 Millionen US-Dollar erbeutet haben. Bisherige Versuche der Regierung, dieses Ausbluten der Wirtschaft und zum Teil auch des Bildungs- und Gesundheitssystems zu stoppen, haben wenig gefruchtet. Allein im Jahr 2021 gab es mit den Angriffen auf Colonial Pipeline, JBS Foods, Kaseya und dem Exchange-Angriff bereits vier kolossale Ransomware-Vorfälle.

Quelle: heise online Redaktion

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