Business Security

Illegale Finanztranskationen

Übernahme von Kunden-Konten durch Cyberkriminelle um 20 Prozent gestiegen

Im Jahr 2020 handelte es sich bei jeder zweiten betrügerischen Transaktion im Finanz- und E-Commerce-Bereich um eine erfolgreiche Übernahme eines Kunden-Kontos durch Cyberkriminelle. Laut anonymisierten internationalen Statistiken, die durch die Lösung Kaspersky Fraud Prevention im Zeitraum von Januar bis Dezember 2020 erfasst wurden, stieg der Anteil solcher Vorfälle von 34 Prozent im Jahr 2019 auf 54 Prozent im Jahr 2020 an.

Die Kaspersky-Experten sehen vornehmlich zwei Vorgehensweisen unter Cyberkriminellen, um sich das Vertrauen potenzieller Opfer zu erschleichen: der vermeintliche Retter in der Not und der vermeintliche Investor.

Die Nutzung digitaler Finanzdienstleistungen und des elektronischen Handels (E-Commerce) nahm im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie weltweit zu. Dies hat laut den Experten von Kaspersky zu einem Anstieg von Social-Engineering-Angriffe geführt. Hierbei erschleichen sich Cyberkriminelle durch eine individuelle Ansprache das Vertrauen potenzieller Opfer, um beispielsweise an vertrauliche Informationen wie Account-Zugangs- oder Finanzdaten zu gelangen. Sowohl Banken und Finanzinstitute als auch ihre Kunden sollten sich daher besonders den typischen betrügerischen Taktiken bewusst sein - und sich entsprechend davor schützen.

Die Ergebnisse in einer Übersicht

  • Analysiert man die betrügerischen Aktivitäten von Cyberkriminellen im Finanz- und E-Commerce-Bereich aus dem Jahr 2020, ergibt sich folgendes
  • Die meisten Betrugsvorfälle (54 Prozent) betreffen die erfolgreiche Übernahme von Kunden-Konten.
  • Bei weiteren 16 Prozent handelte es sich um Geldwäsche- oder Money Muling-Transaktionen.
  • In 14 Prozent der Fälle fand der Betrug mittels gefälschter Accounts bei Bonusprogrammen statt.
  • Bei 12 Prozent der analysierten Betrugsvorfälle wurden legitime Remote-Verwaltungs-Tools wie TeamViewer eingesetzt, um illegalen Zugriff auf Nutzerkonten zu erhalten.
  • In vier Prozent der Fälle hingen die betrügerischen Transaktionen mit Geräten zusammen, die mit Malware infiziert waren.

Taktiken der Cyberkriminellen

Das Fraud-Prevention-Team von Kaspersky unterscheidet zwei gängige Ansätze, mit denen sich Angreifer vornehmlich Zugriff auf Kunden-Kunden verschaffen:

Der vermeintliche Retter in Not: Die Betrüger geben sich als Sicherheitsbeauftragte der Bank und damit als "Retter" aus. Sie rufen Bankkunden an, melden verdächtige Gebühren oder Zahlungen und bieten Hilfestellung. Die Cyberkriminellen fordern Kunden dazu auf, ihre Identität anhand eines in einer Textnachricht oder einer Push-Benachrichtigung gesendeten Codes zu verifizieren, eine verdächtige Transaktion zu stoppen oder Geld auf ein "sicheres Konto" zu überweisen. Alternativ bitten sie die Opfer, eine Anwendung zur Remote-Verwaltung zu installieren, die für die Fehlerbehebung erforderlich sei. Die Betrüger stellen sich häufig als Angestellte der größten Bank in der Region des potenziellen Opfers vor und nutzen eine gefälschte Telefon-ID, damit eingehende Anrufe als die einer echten Bank getarnt sind.

Der vermeintliche Investor: In diesem Fall geben sich die Cyberkriminellen als Mitarbeiter einer Investment-Gesellschaft oder als Anlageberater einer Bank aus. Sie rufen Kunden an und bieten ihnen die Möglichkeit, schnell Geld zu verdienen, indem sie direkt vom Konto des Kunden in Kryptowährung oder Aktien investieren - ohne dass dieser dafür eine Bankfiliale betreten muss. Als Voraussetzung für die Erbringung dieser Wertpapierdienstleistung fragt der Anleger das potenzielle Opfer nach dem Code, der in einer Textnachricht oder einer Push-Benachrichtigung enthalten war.



"Bankkunden legen großen Wert auf einen einfachen Zugang zu ihren Konten und die Durchführung der üblichen Finanzgeschäfte", erklärt Claire Hatcher, Head of Business Development bei Kaspersky Fraud Prevention. "Deshalb sollten Lösungen für die Finanzbranche ein hohes Maß an Sicherheitsmaßnahmen bieten und nahtlos in die Nutzererfahrung integriert werden - einschließlich des Schutzes vor Betrug. Darüber hinaus ist es hilfreich, Kunden regelmäßig an die Methoden von Betrügern zu erinnern, damit sie nicht darauf hereinfallen."

Empfehlungen zum Schutz vor Betrug

  • Kaspersky empfiehlt Online-Diensten und E-Commerce-Anbietern folgende Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Kunden und ihr Unternehmen vor Betrug zu schützen:
  • Die Anzahl der Versuche, eine bestimmte Transaktion durchzuführen, begrenzen. Cyberkriminelle könnten mehrmals versuchen, korrekte Anmeldeinformationen einzugeben.
  • Kunden regelmäßig über Tricks und Methoden der Angreifer informieren, so dass diese betrügerische Aktivitäten erkennen können und wissen, wie sie sich im Betrugsfall verhalten sollen.
  • Jährliche Sicherheitsüberprüfungen und Penetrationstests durchführen, um Sicherheitsschwächen im Unternehmensnetzwerk zu ermitteln.
  • Ein dediziertes Analyse-Team einsetzen, das in der Lage ist, die neuen Betrugsmethoden zu erkennen und zu analysieren.
  • Eine Multi-Faktor-Authentifizierung verwenden, um die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme von Kunden-Konten zu minimieren.
  • Eine Betrugspräventionslösung implementieren, die schnell angepasst werden kann, um neue Angriffsschemata und -methoden zu identifizieren

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