So schützen Sie sich vor Ortung über Handys und Smartphones

Schutz vor Ortung über Handys und Smartphones
Achtung: Ihr Smartphone kennt Ihren Standort!

Frühstück fertig, ab zur Arbeit. Beim Abschließen der Haustüre werfe ich noch schnell einen letzten Blick in die Mitteilungszentrale meines Smartphones. Ich stocke kurz, bin verwirrt und lese den Eintrag erneut: „Derzeit beträgt die Fahrzeit für die Strecke zur Sonnenscheinstraße etwa 23 Minuten.“ ...

... Hoppla. Moment. Woher weiß mein Handy wo ich arbeite? Und wieso weiß mein Handy, dass ich auf dem Weg zur Arbeit bin? Die schlechte Nachricht. Das alles weiß nicht nur Ihr Smartphone — sondern auch Ihr Provider, der Hersteller Ihres Geräts, der Anbieter Ihres Betriebssystems und eventuell der Anbieter einer App, die auf Ihrem Smartphone installiert ist. Sie sind geortet. Sie können die Weitergabe von Standortdaten nicht vollständig ausschließen, aber gezielt einschränken — zunächst ein Blick auf die verschiedenen Ortungswege.

Verhindern der Ortung und Standortweitergabe über Provider?

Solange Ihr Smartphone angeschaltet ist und eine funktionsfähige Verbindung ins mobile Netz besteht — ob per SMS oder Anruf — kann der Mobilfunk-Provider die Position Ihres Gerätes auf bis zu 100 Meter bestimmen. Realisiert wird dies mittels einer SMS, die der Provider an das aktive Gerät versendet. Die SMS wird dem Empfänger nicht angezeigt. Diese verdeckte SMS, auch „Silent SMS“ genannt, dient dazu, die Position des gesuchten Gerätes genau zu bestimmen. Provider sind verpflichtet, die Positionsdaten bei der Suche nach vermissten Personen oder bei der Verfolgung von Straftaten an Behörden herausgeben.

Fazit: Sie können Ihrem Provider nicht verbieten, Sie zu orten. Einzige Möglichkeit: Smartphone ausschalten. Der letzte bekannte Standort bleibt jedoch für eine bestimmte Zeit vom Provider gespeichert.

Verhindern der Ortung und Standortweitergabe über die Betriebssysteme von Apple, Google & Windows?

Ein Gerätehersteller kann Ihre Position durch GPS (Global Positioning System) und WLAN in Kombination mit Funkmasten und WLAN-Hotspots auf bis zu fünf Meter exakt bestimmen. Die auf diese Art aufgezeichneten Daten werden in erster Linie für die Geräte-Ortung oder für Navigations-Funktionen des Herstellers erhoben. Die frohe Botschaft: Die unterschiedlichen Betriebssysteme der drei Hersteller bieten die Möglichkeit, Ortungsdienste abzuschalten (siehe Box unten).

Fazit: iOS, Android und Windows lassen es zu, die Ortung auszuschalten. Nachteil: Im Falle eines Smartphone-Diebstahls oder -Verlusts kann das Gerät auf diese Weise nicht geortet und somit wiedergefunden werden. Haben Sie sich zudem im Großstadt-Dschungel verlaufen oder möchten Sie bestimmte Apps wie Google Maps nutzen, müssen Sie die Standortfunktionen wieder manuell bzw. temporär aktivieren.

So schalten Sie die Ortung bei Android, iOS & Windows aus

Bei älterer Android-Hardware reichte es vor einiger Zeit noch aus, lediglich das WLAN auszuschalten, um die Ortung zu unterbinden. Alle Nutzer neuerer Android-Betriebssysteme wie auch iOS- und Windows Phone-Nutzer sind gefordert, WLAN-Signale als auch das GPS-Signal simultan ausschalten, um Ortung und Standortweitergabe vollständig zu verhindern.

So geht's bei Google/Android:

  • WLAN deaktivieren: Einstellungen > WLAN > Erweitert > Funktionen „WLAN Standby eingeschaltet“, „Netzbenachrichtigung“ und „Suche immer erlauben“ deaktivieren.
  • Standort deaktivieren: Einstellungen > Standort > Modus: „Standortdienste deaktiviert“.

So geht's bei Apple/iOS:

  • WLAN deaktivieren: Einstellungen > WLAN > WLAN deaktivieren
  • Standort deaktivieren: Einstellungen > Allgemein > Einschränkungen > Einschränkungen aktivieren und 4-stelligen Code vergeben > Datenschutz >Ortungsdienste deaktivieren.

So geht's bei Windows Phone:

  • WLAN deaktivieren: Startseite > Anwendungsliste Einstellungen > Mobilfunk + SIM > Datenverbindungen deaktivieren

  • Zusätzlich Verhinderung der automatischen Sendung von WLAN-Hotspot-Daten: Startseite > Einstellungen > WLAN > Verwalten > Deaktivierung WLAN-Verbindungsdaten zur Verbesserung der WLAN-Erkennung
  • Standort deaktivieren: Startseite > Anwendungsliste > Einstellungen > Ortung > Ortungsdienste.

Verhindern der Ortung und Standortweitergabe über Apps?

Installiert ein Nutzer eine neue App, wird er er innerhalb der Berechtigungen nach der Standortfreigabe gefragt. Meistens klicken Anwender relativ gedankenlos auf „zustimmen“. Viele Apps greifen auf Standortdaten zurück, um Funktionen einwandfrei anbieten zu können, zum Beispiel Navigations-Apps. Die meisten Apps benötign diese Daten aber im Grunde nicht, sondern speichern die Daten der Nutzer auf Vorrat.

Nutzer von Apps in Android-Betriebssystemen haben es am schwersten: Hat ein Nutzer der Standortweitergabe für eine App im Android-Betriebssystem initial zugestimmt, so kann er dieses "Go" nicht mehr nachträglich rückgängig machen. Über Einstellungen > Standort ist zumindest ersichtlich, welche Dienste kürzlich Standortanfragen gestellt hatten.

Nutzer von Apps auf Apple- und Windows Phone-Geräten haben es besser. Apps können nur dann auf Standorte zugreifen, wenn ein Nutzer diese Berechtigung über eigenen Dialog ausdrücklich erteilt  hat — diese Erlaubnis kann jederzeit entzogen werden. Bei iOS zum Beispiel über den Pfad: Einstellungen > Datenschutz > Ortungsdienste.

Fazit: Besitzer von Apple- und Windows Phone-Geräten haben es selbst in der Hand, den Apps ihre Standortdaten vorzuenthalten. Wenn Sie ein Android-basiertes Gerät verwenden, müssen Sie schon deutlich mehr Aufwand betreiben, um die Ausspähung und Speicherung von Bewegungsprofilen zu verhindern — zum Beispiel über die Verwendung alternativer Betriebsysteme oder Anti-Spionage Apps.

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Zehn Tipps und sechs Apps, um Ihr Handy und Smartphone vor Ausspähung und Ortung zu schützen

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